Lexikon
- ÖbV
- Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur. Der ÖbV führt mit seinen Fachkräften u.a. Katastervermessungen durch.
Ein Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur (ÖbV) ist insbesondere zugelassen, um hoheitliche Vermessungsaufgaben (Grundstücks- oder Katastervermessungen) auszuführen. Hier hat der ÖbV durch sein spezielles Wissen auch eine wichtige beratende Funktion.
Er nimmt aber auch Aufgaben im Bereich der Ingenieurvermessung wahr.Während sich der ÖbV im Bereich der Ingenieurvermessung frei am Markt betätigen kann, hat er im Bereich der hoheitlichen Aufgaben zusätzlich eine Reihe von Gesetzen und Bestimmungen zu beachten. Dazu muss er sich ein spezielles Wissen aneignen und dieses auch nachweisen - nicht nur auf dem Gebiet der Vermessung, sondern auch auf verwandten und mit seiner Tätigkeit verknüpften Gebieten.
Die speziellen gesetzlichen Grundlagen zur hoheitlichen Tätigkeit des ÖbV sind das Sächsisches Vermessungs- und Katastergesetz und die ÖbV-Verordnung.
Ein besonderer Schwerpunkt der Tätigkeit des ÖbV liegt bei der Katastervermessung. Die Geschichte der Kataster- oder Liegenschaftsvermessung, wie wir sie heute verstehen, begann in Sachsen etwa im Jahr 1835. Die Verfahren und Methoden haben sich seither ständig weiterentwickelt, die Anforderungen sind ständig gestiegen.
Zur Katastervermessung zählen beispielsweise die Grenzherstellung, die Zerlegung und Verschmelzung von Flurstücken sowie die Aufmessung von Gebäuden für das Liegenschaftskataster. Diese Arbeiten dürfen - neben zuständigen Ämtern - nur von Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren ausgeführt werden. Die Arbeiten unterliegen dabei der Aufsicht des Staatsbetriebes Geobasisinformation und Vermessung Sachsen.
- Parzelle
- aus der Geschichte herrührender Begriff, unter dem man heute einen Bauplatz versteht. Dieser besteht in der Regel aus einem, manchmal aus mehreren Flurstücken.
- Schnurgerüst
- Das Schnurgerüst zählt zur Baustelleneinrichtung. Bei einer Absteckung werden auf dem Schnurgerüst verlängerte Achsen oder Kanten des zur Bauausführung vorgesehenen Gebäudes gekennzeichnet, möglichst außerhalb des unmittelbaren Baugeschehens. [SächsBO §70 (7)]
- Sonderung
- Sonderung ist die Aufteilung eines Flurstückes (Zerlegung) in mehrere Flurstücke. Als Besonderheit findet dabei keine örtliche Vermessung statt. Die Sonderung ist nur zulässig für Öffentliche Straßen, Wege und Plätze. [SächsVermKatG §14 Abs. 2]
- Teilung eines Grundstückes
- Die Teilung ist ein Vorgang im Grundbuch mit dem Ergebnis, dass aus einem Grundstück zwei oder mehrere Grundstücke entstehen. Immer dann, wenn ein Teil eines Grundstückes verkauft werden soll, ist eine Teilung erforderlich.
Dabei muss das abzuteilende Teilstück bereits aus einem einem (oder mehrereen) Flurstücken bestehen. Ist dies nicht der Fall, was die Regel sein wird, so ist zunächst die Zerlegung des Flurstückes (Vorgang im Liegenschaftskataster) in mehrere entsprechend geformte Flurstücke erforderlich. Für die Teilung des Grundstückes und den Verkauf ist die Zuziehung eines Notars notwendig, für die Zerlegung des Flurstückes ein Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur. Das Gegenstück zur Teilung ist die Zuschreibung oder Vereinigung von Grundstücken. [BauGB §19] - Teilungsgenehmigung
seit 2004: Mit dem Gesetz zur Anpassung des Baugesetzbuches an EU-Richtlinien vom 24. Juni 2004 (BGBl 2004 Teil I Nr. 31 S. 1359) entfällt die Teilungsgenehmigung nach §19 BauGB. Jedoch dürfen durch eine Teilung nach wie vor keine Verhältnisse entstehen, die den Festsetzungen des Bebauungsplanes oder anderem Baurecht widersprechen.
Zuvor: Bauherren, die im Zusammenhang mit ihrem Bauvorhaben ein Grundstück teilen wollten, benötigten dafür eine Genehmigung nach §19 BauGB - jedoch nur, wenn dies durch die Gemeindesatzung (Bebauungsplan) bestimmt wurde. Die Genehmigung war zu versagen, wenn die Teilung oder die bezweckte Nutzung den Festsetzungen des gültigen Bebauungsplans widersrach. In vielen Fällen genügte ein Negativzeugnis, wenn ein Bebauungsplan nicht existierte oder dieser das Erfordernis einer Teilungsgenehmigung nicht festsetzte. [BauGB §19]- Vermarkung
- meint meist die Art, in der ein Punkt in der Örtlichkeit gekennzeichnet ist.
Als Vermarkungsarten kommen je nach den örtlichen Bedingungen und den Anforderungen an die Genauigkeit und Haltbarkeit Steine, Kunststoffmarken (MK), Nägel, Bolzen, Rohre, Pfähle usw. in Frage, aber auch Bleistiftstriche oder Farbe. Vermarkt werden nicht nur Grenzpunkte, sondern auch andere Punkte, die z.B. zur Errichtung und Überwachung von Bauwerken benötigt werden. - Verschmelzung
- ist die Zusammenführung von mehreren Flurstücken zu einem Flurstück. Um eine Verschmelzung durchführen zu können, müssen bestimmte örtliche und grundbücherliche Voraussetzungen vorliegen.
So müssen die Flurstücke direkt aneinander angrenzen und u.a. müssen sie zum gleichen Grundstück gehören, d.h. sie müssen im Bestandsverzeichnis eines Grundbuches unter der gleichen laufenden Nummer gebucht sein. Um dies zu erreichen, kann die Zuschreibung oder Vereinigung von Grundstücken unter Mitwirkung eines Notars erforderlich sein. Sind die Voraussetzungen nun gegeben, so genügt ein formloser Antrag an das zuständige Vermessungsamt, um die Verschmelzung durchführen zu lassen. - Zerlegung
- ist die Aufteilung eines Flurstückes in zwei oder mehrere Flurstücke, oft auch als "Herausmessen eines Teilstückes" bezeichnet. Die Zerlegung von Flurstücken schafft die Voraussetzung zur Teilung von Grundstücken und deren Verkauf.
Sie wird durch einen Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur durchgeführt und erfordert grundsätzlich eine örtliche Vermessung mit Kennzeichnung der neuen Grenzen und Wiederherstellung der bestehenden Grenzen sowie deren Abmarkung. Das Gegenstück zur Zerlegung ist die Verschmelzung.